Schutzwald rund um den Hévízer See

Der westliche Schutzwald

Am westlichen Ufer des Hévízer Sees begann in den 1870er Jahren die Umgestaltung des bis dahin als Waldweide genutzten Hanges zu einer Parkanlage. Damals ließ György Festetics auf einer Fläche von 23 Hektar einen englischen Landschaftspark anlegen.

Der ursprüngliche Lebensraumtyp des Gebietes ist heute nur schwer eindeutig zu bestimmen. Die heutige Vegetation erinnert jedoch am stärksten an einen Hainbuchen-Eichenwald.

Die im Bestand vorkommenden über 100 Jahre alten Hainbuchen weisen durch ihre Größe sowie durch ihre charakteristischen Kronen- und Stammformen auf die frühere Nutzung als Weideland hin. Die heutige Artenzusammensetzung setzt sich aus heimischen, angepflanzten sowie spontan eingewanderten Arten zusammen.

In der oberen Baumschicht kommen neben dem Bergahorn (Acer pseudoplatanus) und der Sommerlinde (Tilia platyphyllos) vereinzelt auch die Rotbuche (Fagus sylvatica), die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), die Bergulme (Ulmus glabra) sowie Stieleiche und Zerreiche (Quercus robur, Quercus cerris) vor.

Die zweite Baumschicht wird vor allem durch die Hainbuche (Carpinus betulus), die Traubenkirsche (Prunus padus), die Feldulme (Ulmus minor) und den Spitzahorn (Acer platanoides) geprägt.

Im Gebiet kommen außerdem – stellenweise größere Bestände bildend – mehrere nicht heimische Arten vor, darunter die Robinie (Robinia pseudoacacia), der Götterbaum (Ailanthus altissima), der Eschenahorn (Acer negundo), die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), der Westliche Zürgelbaum (Celtis occidentalis) und die Gleditschie (Gleditsia triacanthos).

Véderdő
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Der nördliche und östliche Schutzwald

Der mit flachen Steinen ausgekleidete Brunnen im östlichen Schutzwald sowie die an der Bodenoberfläche erhaltene Beton-Viehtränke belegen, dass auch dieses tiefer gelegene Gebiet früher als Weideland genutzt wurde.

Auf der Fläche der heutigen nördlichen und östlichen Schutzwälder befanden sich noch zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Schilfbestände sowie Moor- und Sumpfwiesen, die sich entsprechend den wechselnden Wasserständen entwickelt hatten.

Nach dem Erwerb der Grundstücke in der Umgebung des Sees begann die Forstverwaltung der Familie Festetics in Keszthely mit den ersten Aufforstungen. In den nördlichen und östlichen Schutzwäldern wurden unter anderem Traubenkirschen (Prunus padus) angepflanzt. Entlang der fürstlichen Straße, die das Schloss Festetics mit Hévíz verband, sowie an den Wegsäumen im Hévízer Moorgebiet wurden Sumpfzypressen (Taxodium distichum) gepflanzt. Diese aus Nordamerika stammende Baumart ist als nicht heimisches Gehölz besonders gut an die dauerhaft feuchten Standortbedingungen angepasst.

Die natürlichen Lebensräume wurden durch die ab 1910 verstärkt durchgeführten künstlichen Aufforstungen weitgehend verdrängt.

Nach den 1950er Jahren wurden Bestände der Frühpappel angelegt, deren Endnutzung im Jahr 1992 erfolgte. Während der Verjüngungsperiode 1991/92 begann im nördlichen Schutzwald die schrittweise Entnahme des alten Erlenbestandes.

Nach der Endnutzung wurden durch Handpflanzung mehrjährige Jungpflanzen der Schwarzerle (Alnus glutinosa) und der Pannonischen Esche (Fraxinus angustifolia subsp. pannonica) eingebracht.

In diese Kulturen mischten sich später auf natürlichem Wege heimische Weidenarten, die Traubenkirsche (Prunus padus) und der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ein.

Die Bedeutung des Schutzwaldes und des Dauerwaldes

Der den See umgebende Wald spielt eine wesentliche Rolle dabei, die über der Wasseroberfläche liegende Dampfschicht über dem Hévízer See zu erhalten, da er die Wasserfläche vor Wind schützt. Diese Dunstschicht sorgt neben dem einzigartigen Landschaftsbild auch für das besondere Mikroklima des Sees, verringert die Verdunstung der Wasseroberfläche und vermindert den Wärmeverlust des Wassers.

In den Bereichen rund um den See ist eine dauerhafte Waldbedeckung erforderlich, damit die Bäume kontinuierlich ihre Schutzfunktion erfüllen können. Anstelle der in den vergangenen Jahrzehnten angelegten gleichaltrigen Waldbestände wird heute die Entwicklung strukturreicher Wälder mit unterschiedlicher Alterszusammensetzung angestrebt.

Durch die Nachahmung natürlicher Prozesse haben Fachleute 72 kleine Lichtungen bzw. Bestandslücken geschaffen. In den künstlich angelegten Lücken begann durch den einfallenden Lichteintrag die natürliche Verjüngung des Waldes.

Auf den Flächen, auf denen dieser natürliche Prozess nicht in Gang gekommen ist, wurden junge, ausschließlich heimische Baumarten gepflanzt: mehrere tausend Erlen und Eschen sowie mehrere hundert Stieleichen und Traubeneichen.

Die neuen Waldgenerationen müssen kontinuierlich gepflegt und vor Schädlingen, Wildverbiss sowie invasiven Pflanzenarten geschützt werden.

Die Entwicklung eines echten Dauerwaldes dauert mehrere Jahrzehnte, doch sein Nutzen wird vielen nachfolgenden Generationen zugutekommen.

Das angestrebte Ziel ist, im Schutzwald Bäume aller Altersstufen von 1 bis 100 Jahren vorzufinden – also einen Wald mit bis zu hundert verschiedenen Altersklassen.

Die Bedeutung von Totholz im Schutzwald rund um den See

Als Totholz bezeichnet man abgestorbene, noch stehende oder am Boden liegende Baumstämme, schräg hängen gebliebene Bäume, Baumstümpfe, abgebrochene und am Boden liegende starke Äste sowie dünne Zweige.

Bei einem Spaziergang durch den Schutzwald rund um den Hévízer See begegnet man häufig solchen umgestürzten Bäumen, mit Pilzen bewachsenen Baumstümpfen, abgebrochenen starken Ästen, abgestorbenen Bäumen und moosbedeckten Stämmen.

Auch als abgestorbenes Material erfüllt Holz zahlreiche wichtige Funktionen: Es bietet Feuchtigkeit und Nährstoffe für die Keimung der Samen lebender Bäume und stellt Lebensraum sowie Nahrungsquelle für zahlreiche Pilz-, Pflanzen- und Tierarten dar.

Totholz und die mit ihm verbundene biologische Vielfalt spielen eine Schlüsselrolle bei der Aufrechterhaltung der biologischen Prozesse im Wald. Zahlreiche Lebewesen tragen dazu bei, abgestorbenes Holz wieder in den natürlichen Kreislauf des Waldes zurückzuführen.

An Tothölzern, die von Pilzen noch nicht vollständig erschlossen wurden, ernähren sich die Larven verschiedener Käferarten mit kräftigen Kauwerkzeugen. Diese sind in der Lage, Zellulose zu verdauen. Die Tiere zerkleinern das Holz praktisch, legen Fraßgänge an und ermöglichen dadurch Pilzen sowie anderen holzzersetzenden Arten den Zugang zum Holz.

Wenn das abgestorbene Holz bereits mit der Hand zerbröselt werden kann, übernehmen Bakterien und mikroskopisch kleine Pilze die weitere Zersetzung und vollenden diesen natürlichen Prozess.

Die Tier- und Pflanzenwelt eines gesunden Waldes ist äußerst vielfältig. Dennoch findet man die größte biologische Aktivität häufig in und um jene Bäume, die auch nach ihrem Absterben noch wichtige Funktionen für den Wald erfüllen.

Es ist wichtig zu wissen: Ein „unaufgeräumter“ Wald mit reichlich Totholz, Sträuchern und krautigen Pflanzen ist ein gesunder Wald!

Szechenyi 2020